Signale sammeln ist nicht dasselbe wie Stunden buchen
Ein Zeiteintrag sagt: diese Arbeit, für diesen Kunden, in diesem Projekt, so lange. Ein Signal sagt nur, dass etwas passiert ist: Word war vierzig Minuten offen, ein Commit kam rein, du warst um zehn an einer Adresse in der Stadt. Dazwischen liegt eine Entscheidung.
Diese Entscheidung kann Software selten allein treffen. Ein Fenster namens ‚Angebot.docx‘ kann zu drei Kunden gehören. Ein Besuch an einer Adresse kann ein Kunde sein oder der Bäcker. Gute automatische Zeiterfassung sammelt möglichst viele Signale, fasst sie zu sinnvollen Blöcken zusammen und macht einen Vorschlag. Du machst daraus einen Eintrag.
Faustregel: Das Sammeln ist automatisch, das Urteil bleibt bei dir. Software, die ohne dich Stunden auf Kunden bucht, macht Fehler, die du erst auf der Rechnung bemerkst.
Welche Signale kann Software nutzen?
Welche Quellen nützlich sind, hängt vom Gerät ab. Der Computer zeigt vor allem, woran du gearbeitet hast, das Smartphone vor allem, wo du warst. Zusammen decken sie den Großteil eines Arbeitstages ab.
- Apps und Fenstertitel. Welches Programm aktiv war und was in der Titelleiste stand, etwa ein Dokumentname oder ein E-Mail-Betreff.
- Browser. Welche Websites und Web-Apps du besucht hast, über eine Browser-Erweiterung.
- Dateien. Änderungen in Ordnern, die du selbst auswählst, zum Beispiel einem Kundenordner.
- Git-Commits. Für Entwickler: Commits in ausgewählten Repositories, mit Zeitpunkt und Betreff.
- Kalender. Termine aus Google Calendar oder Outlook, mit Titel und Teilnehmenden.
- Standort. Besuche an Adressen und Autofahrten, vom Smartphone erfasst.
- KI-Agent-Sitzungen. Arbeit mit einem Assistenten wie Claude Code, Codex oder Cursor. Mehr dazu in Stunden mit KI erfassen.
Warum du trotzdem bestätigst
Stunden sind die Grundlage für Rechnungen, Budgets und manchmal Förderanträge. Ein falscher Eintrag zieht sich durch. Wenn du täglich oder wöchentlich kurz bestätigst, behältst du die Kontrolle darüber, was beim Kunden ankommt.
Beim Bestätigen schreibst du auch eine Beschreibung, die ein Kunde versteht. ‚Excel 1:12‘ sagt niemandem etwas, ‚Budget 2027 durchgerechnet‘ schon. Software kann einen Text vorschlagen, aber du weißt, was wirklich passiert ist.
- Öffne am Ende des Tages oder der Woche die Vorschläge.
- Fasse zusammenhängende Blöcke zu einer Aufgabe zusammen.
- Wähle Kunde, Projekt und Tätigkeit oder passe den Vorschlag an.
- Schreib eine kurze Beschreibung und speichere. Was du überspringst, bleibt privat.
Was sieht deine Führungskraft?
Das ist die wichtigste Frage bei automatischer Erfassung. Es gibt grob zwei Modelle. Im einen landen alle Signale beim Arbeitgeber, der sieht, welche Seiten du besucht hast und wie lange du inaktiv warst. Im anderen bleiben die Signale bei dir, und der Arbeitgeber sieht nur die Stunden, die du selbst erfasst.
Das zweite Modell funktioniert besser, weil Menschen ehrlicher erfassen, wenn ihre Rohdaten nicht mitgelesen werden. Es verhindert auch, dass Zeiterfassung zur Überwachung wird. Warum das auch der Produktivität hilft, steht in Produktivität messen ohne Überwachung.
Timer, automatisch oder nachträglich eintragen?
Die drei Wege schließen sich nicht aus. Viele nutzen einen Timer für lange, klare Aufgaben und automatische Vorschläge für den Rest des Tages. Wer noch mit einer Tabelle arbeitet, findet einen Vergleich in Stunden erfassen: Excel oder App.
| Start-Stopp-Timer | Automatisch (Signale) | Nachträglich eintragen | |
|---|---|---|---|
| Aufwand während der Arbeit | Bei jedem Wechsel starten und stoppen | Keiner | Keiner |
| Aufwand danach | Gering | Vorschläge bestätigen | Hoch: aus dem Gedächtnis rekonstruieren |
| Kleine Aufgaben und Unterbrechungen | Oft vergessen | Werden erfasst | Meist verloren |
| Genauigkeit | Gut, wenn du das Stoppen nicht vergisst | Gut, sofern du bestätigst | Schwankend |
| Privatsphäre | Nur was du einträgst | Hängt davon ab, wer die Signale sieht | Nur was du einträgst |
So macht es Half5
Half5 speichert Signale in einer persönlichen „Zeitachse“. Die Desktop-App für Mac und Windows erfasst aktive Apps und Fenstertitel, Browserseiten über eine Erweiterung für Chrome und Edge, Dateiänderungen in ausgewählten Ordnern (Bereich „Ordner“), Commits aus ausgewählten „Git-Ordner“-Verzeichnissen und Sitzungen aus Claude Code, Codex und Cursor. Die App für iPhone und Android ergänzt Standortbesuche und Fahrten; Termine kommen über Google Calendar oder Outlook. Du filterst nach „Computerarbeit“, „Kalender“, „Standorte“ und „KI-Sitzungen“.
Die Zeitachse ist Ende-zu-Ende verschlüsselt; die App sagt dazu: „Nur Sie können Ihre Timeline lesen. Half5 hat keinen Zugriff auf Ihre Timeline.“ Oben steht „Noch zu erfassen“ mit „Vorschläge“; erst wenn du einen Vorschlag bestätigst, wird daraus ein Eintrag, den deine Organisation sieht. Für Standortbesuche gilt dasselbe. „Automatische Kundenerkennung“ und „Automatische Beschreibung mit KI“ gehören zu Premium.
Häufige Fragen
Erfasst automatische Zeiterfassung meine Stunden komplett selbst?
Nein, nicht wenn sie gut eingerichtet ist. Die Software sammelt Signale und macht Vorschläge; du bestätigst, welche Zeit für welchen Kunden oder welches Projekt zählt.
Kann mein Arbeitgeber sehen, welche Websites ich besuche?
Das hängt von der Software ab. Überwachungstools zeigen es; Half5 nicht, weil die Zeitachse Ende-zu-Ende verschlüsselt ist und nur bestätigte Einträge mit der Organisation geteilt werden.
Funktioniert das auch, wenn ich nicht am Computer arbeite?
Teilweise. Ein Smartphone kann Besuche an Adressen und Autofahrten erfassen, und dein Kalender liefert die Termine. Arbeit ohne digitale Spur trägst du selbst ein.
Wie oft sollte ich Vorschläge bestätigen?
Täglich kostet es ein paar Minuten, und du weißt noch, was du gemacht hast. Wöchentlich geht auch, aber je länger du wartest, desto schwerer fallen gute Beschreibungen.
Ist ein Timer dann überflüssig?
Nicht unbedingt. Ein Timer ist praktisch für eine lange Aufgabe, bei der du vorher weißt, für wen sie ist. Automatische Vorschläge fangen die kleinen Aufgaben und Unterbrechungen auf, die ein Timer verpasst.